Begriffe einfach erklärt
Glossar
Die wichtigsten Begriffe rund um Radioaktivität, Strahlenmessung und Kerntechnik – kompakt und ohne unnötigen Fachjargon.
Radioaktivität
Radioaktivität bezeichnet den spontanen Zerfall instabiler Atomkerne. Dabei wird Energie als ionisierende Strahlung frei, zum Beispiel als Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung. Radioaktive Stoffe kommen natürlich vor und können auch technisch entstehen.
Becquerel (Bq)
Becquerel beschreibt die Aktivität einer radioaktiven Quelle. 1 Bq bedeutet: Ein Atomkern zerfällt pro Sekunde. Die Einheit sagt noch nichts darüber aus, wie hoch die Dosis für einen Menschen ist.
Borsäure
Bor kann Neutronen sehr wirksam aufnehmen. Deshalb wird Borsäure in bestimmten Reaktortypen genutzt, um die Kettenreaktion zu regeln oder im Notfall zusätzlich zu bremsen.
Brennstab
Brennstäbe enthalten den Kernbrennstoff eines Reaktors. Ihre Hülle trennt den Brennstoff und die entstehenden Spaltprodukte vom Kühlmittel.
Cäsium-137
Cäsium-137 ist ein radioaktives Spaltprodukt mit einer Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Es kann sich nach Freisetzungen in Umwelt und Nahrungskette verteilen und ist deshalb für Umweltmessungen relevant.
Containment
Das Containment ist der massive Sicherheitsbehälter eines Kernkraftwerks. Es soll bei Störfällen radioaktive Stoffe möglichst innerhalb der Anlage zurückhalten.
GAU und Super-GAU
GAU steht für «grösster anzunehmender Unfall» und bezeichnet einen Auslegungsstörfall. «Super-GAU» ist ein umgangssprachlicher Begriff für Ereignisse, die über diese Auslegung hinausgehen.
Geigerzähler
Ein Geigerzähler weist ionisierende Strahlung über einzelne registrierte Impulse nach. Ein Geiger-Müller-Zählrohr eignet sich besonders zum Erkennen von Beta- und Gammastrahlung; die genaue Empfindlichkeit hängt vom verwendeten Zählrohr ab.
Gray (Gy)
Gray ist die Einheit der absorbierten Dosis. 1 Gy entspricht 1 Joule aufgenommener Strahlungsenergie pro Kilogramm Material. Die biologische Wirkung wird damit noch nicht vollständig beschrieben.
INES
Die International Nuclear and Radiological Event Scale ordnet nukleare und radiologische Ereignisse auf einer Skala von 0 bis 7 ein. Je höher die Stufe, desto grösser die sicherheitstechnische Bedeutung.
Jod-131
Jod-131 entsteht unter anderem bei Kernspaltung. Es hat eine Halbwertszeit von rund acht Tagen und kann sich nach Aufnahme im Körper in der Schilddrüse anreichern.
Kernschmelze
Bei einer Kernschmelze wird Kernbrennstoff so stark erhitzt, dass Brennelemente teilweise oder vollständig schmelzen. Das ist ein schwerer Unfallzustand, der eine zuverlässige Kühlung besonders wichtig macht.
Moderator
Ein Moderator bremst schnelle Neutronen ab. In vielen Reaktoren übernimmt Wasser diese Aufgabe und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit weiterer kontrollierter Kernspaltungen.
Nachzerfallswärme
Auch nach dem Abschalten eines Reaktors erzeugen radioaktive Spaltprodukte weiter Wärme. Diese Nachzerfallswärme nimmt mit der Zeit ab, muss aber weiterhin zuverlässig abgeführt werden.
Plutonium
Plutonium ist ein radioaktives Schwermetall. Verschiedene Isotope entstehen in Kernreaktoren; Plutonium-239 hat eine sehr lange Halbwertszeit und ist sowohl radiologisch als auch chemisch problematisch.
Reaktor
Ein Kernreaktor ist der Teil eines Kernkraftwerks, in dem eine kontrollierte Kettenreaktion stattfindet. Reaktor, Reaktorblock und gesamtes Kernkraftwerk sind deshalb nicht dasselbe.
Siedewasserreaktor
Beim Siedewasserreaktor entsteht der Dampf für die Turbine direkt im Reaktordruckbehälter. Wasser dient gleichzeitig als Kühlmittel und Moderator.
Sievert (Sv)
Sievert bewertet die biologische Wirkung ionisierender Strahlung. Im Alltag werden meist Millisievert (mSv) und Mikrosievert (µSv) verwendet.
Strahlenkrankheit
Sehr hohe Strahlendosen können akute gesundheitliche Schäden auslösen. Art und Schwere hängen von Dosis, Strahlenart, Einwirkdauer und betroffenem Gewebe ab. Für medizinische oder behördliche Beurteilungen sind Fachstellen massgebend.